New York Times
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Die New York Times (NYT) ist eine einflussreiche überregionale Tageszeitung aus New York City, die von der New York Times Company geführt wird. Sie wird auch „The Gray Lady“ genannt. Das Unternehmen New York Times Company wird im Aktienindex S&P 500 gelistet.
Die New York Times Company publiziert insgesamt an die 40 Printmedien, so u.a. auch den Boston Globe. Der derzeitige Herausgeber ist Arthur O. Sulzberger Jr.; Chefredakteur ist seit Juli 2003 Bill Keller. Ende 2004 betrug die verteilte Druckauflage wochentags 1.124.700 und sonntags 1.669.700 Exemplare. Mit derzeit 1250 redaktionellen Mitarbeitern verfügt das Unternehmen über die größte Zeitungsredaktion der USA.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Unternehmensgeschichte
Die Anfänge der New York Times
Die „New York Times“ wurde als „The New-York Daily Times“ 1851 von Henry J. Raymond und George Jones gegründet; die erste Ausgabe erschien am 18. September 1851. Die Absicht der Gründer war, eine seriöse Alternative zu den damals in New York vorherrschenden reißerischen Zeitungen anzubieten. Bekannt wurde die „New York Times“ 1880 durch ihren damaligen Redaktionschef, John Swinton.[2] Adolph Ochs übernahm die Zeitung 1896. Unter ihm erreichte die Zeitung internationale Reichweite und Beachtung. Die heutige Besitzerin der „New York Times“, die New York Times Company, wird immer noch von den Nachfahren Ochs’ dominiert.
Ochs änderte den Titel der Zeitung in „New York Times“ und schuf ihren immer noch gebrauchten Slogan: „All the news that’s fit to print“ (etwa: Alle Nachrichten, die es wert sind, gedruckt zu werden). Damit einher geht das Selbstverständnis der NYT als newspaper of record – als Zeitung mit gründlicher und umfassender Berichterstattung. Allgemein gilt die NYT als zuverlässige Quelle für Nachrichten. Ihre redaktionelle Ausrichtung bei der Interpretation von Ereignissen gilt als liberal, die „New York Times“ beschäftigt jedoch Kommentatoren aller in den USA wichtigen politischen Richtungen.
Modernisierung ab 1969
Während der Herausgeberschaft unter A.M. Rosenthal von 1969 bis 1988 modernisierte sich die NY Times grundlegend in redaktioneller Hinsicht. Rosenthal erweiterte die NY Times durch neue Tagesrubriken, den „sections“, nämlich die „SportsMonday“, „Science Times“ am Dienstag, die „Living section“ am Mittwoch, die „Home section“ am Donnerstag und „Weekend“ am Freitag. Weiterhin erfreute sich das Lesepublikum am Wochenende an einer gleichsam explosionsartigen Zunahme an Sonntagsbeilagen über Wirtschaft, Reisen, Unterhaltungsspiele, Freizeitaktivitäten, Erziehung, Mode, Gesundheit und andere Themen. Seine energisch vorangetriebene Modernisierung kam auch dem Anzeigengeschäft zugute, so dass sich der Gesamtumsatz der NY Times von 238 Mio. $ im Jahre 1969 versiebenfachte auf 1,6 Mrd. $ im Jahre 1986.[3] Trotz seiner konservativen Grundhaltung achtete er in der Regel auf eine Trennung von Kommentar und Berichterstattung, wodurch NY Times „straight“ werden sollte. Die themenbezogene Diversifizierung wurde zum Vorbild US-amerikanischer und ausländischer Tageszeitungen.
Entwicklungen nach 2000
Mit der Washington Post zusammen gab die „Times“ die weltweit erscheinende International Herald Tribune heraus. Am 30. Dezember 2002 übernahm die „Times“ jedoch den Aktienanteil der „Post“ und gibt die „Tribune“ seitdem allein heraus.
Das Image der „New York Times“ als vertrauenswürdige Nachrichtenquelle wurde im März 2003 erschüttert, als bekannt wurde, dass ihr Reporter Jayson Blair zahlreiche Artikel nicht vor Ort recherchiert und zum Teil auch einfach erfunden hatte.
Infolge dessen wurde Kritik aus der Redaktion der „Times“ laut, dass der Chefredakteur Howell Raines und der leitende Redakteur Gerald Boyd bereits früher über Zweifel an Blairs Berichterstattung informiert waren, jedoch nichts zur Aufklärung der Vorwürfe unternommen hatten. Nach dem Auffliegen der Falschberichterstattung traten Raines und Boyd zurück; die Zeitung kündigte an, ihre Veröffentlichungspraxis zu überprüfen.
Machtkampf mit Morgan Stanley (2006–2008)
Im April 2006 kündigte Hassan Elmasry, der Portfolio-Manager der Investmentbank Morgan Stanley an, den Einfluss der Unternehmerfamilie Sulzberger zu brechen. Dazu verbündete er sich mit dem Medieninvestor Bruce Sherman, dessen „Fonds Private Capital Management“ mit 15 Prozent den damals größten Aktien-Anteil an der Times Company hielt. 7,15 Prozent Anteile von Morgan Stanley kamen hinzu. Dieser Kampfansage vorausgegangen war eine wütende Kritik des Weißen Hauses und der US-Republikaner [4] am vorsichtigen Abrücken der NYT-Unterstützung für den immer umstritteneren Irak-Krieg.[5] [6] Elmasry kritisierte, dass es bei der Times zwei Klassen von Aktien gebe, nämlich Class-B-Aktien mit vollem Stimmrecht für die acht Treuhänder der Familie und weniger stimmberechtigte Class-A-Aktien für institutionelle Anleger. Nach Ansicht von Fondsmanager Elmasry wäre bei der NYT ein Wechsel im Aufsichtsrat notwendig, da es die NY Times an ökonomischer Vernunft fehlen lasse. Dieser Behauptung stehen drastische Einsparungsmaßnahmen im Druckbereich und eine inhaltlich größere Ausgabe gegenüber. Darüber hinaus wandten bzw. wenden die Verlegerfamilien des Wall Street Journal und der Washington Post dasselbe Verfahren an, um die Kontrolle über ihre Gründungen aufrechtzuerhalten und es ist die gesamte Zeitungsbranche, die seit Jahren mit sinkender Auflage und fallenden Werbeeinnahmen kämpft.[7] Im Februar 2007 zog die Familie Sulzberger ihr Geld bei Morgan Stanley ab.
Doch der Druck der Hauptaktionäre verfehlte seine Wirkung nicht: die New York Times Company erhöhte die Dividende, verkaufte unprofitable TV-Lokalsender und kürzte die Managementgehälter. So verkaufte die NYT Co. im Mai 2007 ihre Fernsehstationen für 575 Mio. $, um ihre Verbindlichkeiten abzahlen zu können. Weiterhin sollten 250 Stellen bis April 2008 wegfallen und das Papierformat der NYT verkleinert werden; dies wiederum hatte eine Kürzung von fünf Prozent aller Nachrichten zur Folge.[8]
Am 17. Oktober 2007 wurde bekannt, dass Morgan Stanley sein gesamtes Aktienpaket an der New York Times Company an bislang unbekannte Investoren veräußert hatte.[9] Damit wurde der Machtkampf um die Gesellschaft zugunsten der Familie Sulzberger beendet. Ein Investmentberater von „Mediatech Capital Partners LLC“ bestätigte, dass Elmasry auch im Namen weiterer einflussreicher Interessenten handelte.[10] Nach langer Zeit konnte zugleich das Unternehmen wieder einen Anstieg seiner Gewinne um rund sieben Prozent oder 13,4 Mio. Dollar melden. Das Anzeigengeschäft wuchs um elf Prozent und die Auflage der New York Times stiegen um vier Prozent an, das Online-Ressort erzielte 26 Prozent mehr an Umsatz – was im Gegensatz zum allgemeinen Abwärtstrend des US-Verlagswesens liegt.[11] [12]
Nach dem Verkauf der Morgan Stanley-Anteile wiederholte sich das Bedrohungsszenario für die Verlegerfamilie Ochs Sulzberger. Der Hedgefonds-Manager Scott Galloway,[13] Mehrheitseigner des Fonds „Firebrand Partners“, kaufte gemeinsam mit Philip Falcones Fonds „Harbinger Capital“, NYT-Aktien auf. Mitte Februar 2008 erhöhten sie ihren Anteil auf 14,3 Millionen Aktien oder 9,96 Prozent [14] und verdoppelten ihren Anteil Ende März 2008 auf 19,8 Prozent.[15] Zunächst bestanden die beiden Anteilseigner nicht mehr auf eine formale Entmachtung der Verlegerfamilie Ochs Sulzberger, allerdings sollten diese in inhaltlichen Fragen durch vier eigene Direktoren überstimmt werden können. Am 18. März 2008 einigten sich beide Parteien auf eine Zuwahl von Scott Galloway (* 1965) und James Kohlberg, dem Sohn des Mitbegründers der Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts, Jerome Kohlberg, Jr., als zusätzliche Board-Mitglieder.[16] „Harbinger Capital“ machte bislang keine Angaben, warum der Hedge Fonds NYT-Aktien aufkauft. Grundsätzlich ist eine Aktienmehrheit familienfremder Anteilseigner unmöglich und Herausgeber Arthur O. Sulzberger Jr. ließ keinen Zweifel daran, nicht den Qualitätsjournalismus kurzfristigen Rendite-Interessen opfern zu wollen.[17]
Auswirkungen der Wirtschaftskrise 2009
Die Wirtschaftskrise ab 2008 traf auch die New York Times mit geringeren Anzeigeneinnahmen. Am 19. Januar 2009 teilte die New York Times Company mit, dass sich der mexikanische Milliardär Carlos Slim mit weiteren 250 Millionen Dollar an der New York Times beteiligt. Slim erhält dafür jährlich Zinsen in Höhe von etwas mehr als 14 Prozent. Bereits im September 2008 hatte er einen Aktienanteil von 6,9 Prozent am Zeitungsverlag aufgekauft. Die NYT stellte 15,9 Millionen Anteilsscheine aus, die 2015 fällig werden und dann auch in Verlagsaktien umgewandelt werden können, was etwa weiteren elf Prozent entspräche. Im Gegenzug erwarte Slim keine Berichterstattung über seine umstrittenen Geschäftspraktiken, wie in den Medien vermutet wird.[18] Eine redaktionelle Einflussnahme Slims ist nach Angaben von Janet L. Robinson, der Vorstandsvorsitzenden der NYT Co., nicht verbunden. Tatsächlich berichtete die NYT in weiterhin kritischer Weise über Carlos Slim.[19] Aufgrund des hohen Ansehens der Zeitung bleibt diese nach wie vor ein international begehrtes Anlageobjekt.
Der Konzern hat Liquiditätsschwierigkeiten wegen sinkender Werbeeinnahmen und wegen des Auslaufens einer Kreditlinie über 400 Mio. Dollar im Mai 2009 und noch einmal im Jahr 2011 sowie Schulden in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar.[18] Zum Abbau der Schulden werden unter anderem noch weitere Verkäufe diskutiert wie etwa der Anteil an dem Baseball-Team der Boston Red Sox oder ein Verkauf des 2007 neu bezogenen New York Times Buildings, was etwa 225 Millionen Dollar erbringen könnte.[20] 2009 strich die Verlagsgesellschaft die Jahresausschüttung der Dividende in Höhe von 34,5 Mio. Dollar (27,2 Mio. Euro), was bisher die Haupteinnahmequelle der Verlegerfamilie Ochs Sulzberger war.[21] Auch der Firmenjet wird verkauft.[22]
In einem Memo vom 26. März 2009 hat die New York Times Co. (Arthur O. Sulzberger und Janet L. Robinson) ihren Mitarbeitern eine fünfprozentige Gehaltskürzung ab April 2009 angekündigt.[23] Außerdem müssen sie in diesem Jahr 10 Tage unbezahlten Urlaub nehmen. Am selben Tag wurde in einem zweiten Memo der Chefredaktion angekündigt, dass 100 Redakteure vom Wirtschaftsteil entlassen werden sollen.[24]
Am 4. April 2009 machte die zur NYT Co. gehörenden Zeitung Boston Globe zum Aufmacher auf Seite Eins, dass sie aufgefordert wurde, bis Ende des Monats 20 Mio. $ Dollar einzusparen. Andernfalls werde das Blatt geschlossen, da ansonsten bis zum Jahresende ein Verlust in Höhe von 85 Mio. $ Dollar infolge der Wirtschaftskrise zu erwarten sei.[25] Der Boston Globe gilt als eine der angesehensten Tageszeitungen in den USA.[26]
Die Redaktion wurde 2008 von 1330 auf 1250 Mitarbeiter reduziert und soll Ende 2009 um weitere 100 Mitarbeiter reduziert werden. Nichtsdestotrotz verfügt die Zeitung über die mit Abstand größte Redaktion in den USA, da die nächstgrößten Konkurrenten auf etwa 750 Redaktionsmitarbeiter kommen.[1]
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Datum/Date: Thu, 11 Mar 2010 10:54:25 +0100 - Cache bis/until: Mon, 10 May 2010 11:54:25 +0200

